Eine gemischte Runde aus Mitgliedern und Freunden des Vereins Zeitsprung traf sich am Mittwochnachmittag, dem 3. Dezember 2025, vor dem Deutschen Bauernkriegsmuseum Böblingen (Zehntscheuer) zu einer letzten Exkursion des Jahres, zu der auch öffentlich eingeladen worden war.
Die Dauerausstellung des Museums bietet vielfältige Einblicke in die Geschichte des Bauernkrieges von 1525, der vor den Toren Böblingens mit einer entscheidenden Schlacht sein jähes Ende fand. Zunächst besuchten wir jedoch die Sonderausstellung anlässlich „500 Jahre Bauernkrieg“ im Obergeschoss. Sie beleuchtet die Entstehung, den Verlauf und den Ausgang des Aufstandes – der wohl größten Massenerhebung der deutschen Geschichte vor 500 Jahren. Unsere kundige Museumsführerin leitete uns durch die Ausstellung, erläuterte die einzelnen Exponate und vermittelte anschauliche Einblicke in die Ereignisse, die beteiligten Anführer sowie die unterschiedlichen Fraktionen der Aufständischen.
Der damalige Widerstand bestand nicht – wie fälschlicherweise von der Obrigkeit behauptet – ausschließlich aus einfachen Bauern, sondern ebenso aus Handwerkern, Kleinbürgern sowie Vertretern der unteren und mittleren Schichten, dem sogenannten „gemeinen Mann“. Im Zentrum des Aufstandes standen Forderungen nach dem Abbau von Feudalrechten, der Leibeigenschaft und der drückenden Abgabenlast sowie nach der Einführung einer gerechteren gesellschaftlichen Ordnung. Trotz anfänglicher Erfolge der zusammengerotteten Bauernhaufen – darunter auch Plünderungen in Städten und Klöstern sowie die Eroberung von Burgen – endete der Aufstand am 12. Mai 1525 blutig in der Schlacht zwischen dem Böblinger Galgenberg und dem Sindelfinger Goldberg. Innerhalb weniger Stunden verloren mehrere tausend Bauern und Aufständische chancenlos ihr Leben. Die zahlenmäßig zwar kleinere, jedoch deutlich besser ausgerüstete und militärisch überlegene Truppe des Schwäbischen Bundes unter Georg III. Truchseß von Waldburg-Zeil, genannt der „Bauernjörg“, fügte den Aufständischen mit vergleichsweise geringen eigenen Verlusten die entscheidende Niederlage zu.
Die meisten Anführer und Unterstützer des Bauernkrieges, darunter auch zentrale Figuren wie Jerg Ratgeb, der bekannte zeitgenössische Maler, Matern Feuerbacher der Hauptmann der Bauern sowie der Prediger und Reformator Thomas Müntzer, wurden nach der Niederlage verhaftet und grausam hingerichtet. An den Rädelsführern sollten bestialische, abschreckende Exempel statuiert werden. Andere konnten noch fliehen oder sich rechtzeitig zurückziehen.
Die Ausstellung thematisierte auch die harten Folgen der Niederlage: rücksichtslos verhängte drakonische Strafen und hohe Schadenersatzforderungen. Nach der Niederlage bei Böblingen verschärfte sich die soziale Lage der unteren Schichten weiter. Die Forderungen der Bauern und breiten Volksmassen nach Gerechtigkeit und einer Verbesserung ihrer Lebensbedingungen blieben unerfüllt.
Der Bauernkrieg hinterließ eine tiefe Kluft zwischen den gesellschaftlichen Klassen und zeigte auf brutale Weise die Machtlosigkeit der Unterdrückten gegenüber der vereinten Macht von Adel und Kirche. Die enorme Zahl der Opfer macht das Ereignis zu einer der größten menschlichen Katastrophen in unserer Region. Die Obrigkeit verhängte drakonische Strafen und forderte Schadenersatz von
beteiligten Städten und Bürgern. Nur wenige Orte, wie beispielsweise die Stadt Tübingen, blieben verschont, da sie der Regierung treu geblieben waren und zeitweise sogar den württembergischen Regierungssitz beherbergten.
Die neuen Ideen von Freiheit und Wahrheit, die sich mit den Lehren Martin Luthers zuvor auch in Württemberg verbreitet hatten, fanden insbesondere beim einfachen Volk, dem „gemeinen Mann“, großen Anklang. Im Frühjahr 1525 schlossen sich daher verschiedene Bauernhaufen zusammen. Mit ihren „Zwölf Artikeln“ forderten die Aufständischen in Schwaben ihr „göttliches Recht“ auf Freiheit von obrigkeitlichen Lasten und evangelische Wahrheit ein. Martin Luther selbst lehnte jedoch eine Unterstützung des gewaltsamen Aufruhrs ab.
Der zuvor vertriebene und im Exil lebende Herzog Ulrich versuchte zwar, den Bauernaufstand zur Rückeroberung seiner Herrschaft zu nutzen, scheiterte jedoch ebenfalls an den Truppen des Schwäbischen Bundes. Erst Jahre später gelang ihm die Rückkehr nach Württemberg und die erneute Übernahme der Herrschaft. In der Folge erklärte er die Einführung der Reformation in Württemberg zu seinem zentralen Ziel.
Im Anschluss an die Führung hatten wir noch Gelegenheit, in den weiteren Stockwerken die Exponate der Dauerausstellung zu besichtigen. Besonders erwähnenswert ist das große Diorama mit der detailgetreuen Darstellung des Schlachtfeldes. Ebenso eindrucksvoll sind die Präsentationen zu Georg III. Truchseß von Waldburg-Zeil, der für die Obrigkeit maßgeblich an den militärischen Maßnahmen gegen den Aufstand beteiligt war. Die Führungsfigur des Schwäbischen Bundes symbolisiert zugleich die autoritäre Gegenmacht jener Zeit. Dargestellt in Form einer Büste (von Bildhauer Peter Lenk) mit zwei prall gefüllten Geldsäcken steht sie sinnbildlich für skrupellosen Machtmissbrauch, Reichtum und
die finanzielle Ausbeutung des „gemeinen Mannes“.
Nach dieser eindrucksvollen Führung und der intensiven Auseinandersetzung mit einem bedeutenden Kapitel unserer Regionalgeschichte beendeten wir gegen 18:00 Uhr unseren gemeinsamen Museumsbesuch und traten individuell den Heimweg an. Wir freuen uns einmal mehr über eine gelungene Veranstaltung und laden unsere Mitglieder, Freunde und Gönner herzlich ein, auch bei einer der nächsten Exkursionen wieder dabei zu sein.


